LyrikZeit ... die Spur von
Jeff
Siegrist
* 8. Januar 1967, aus Ennetbaden, Kanton Aargau / Schweiz
als cerebral gelähmter Junge geboren
arbeitete bis
Mitte 1996 als kaufmännisch Angesteller im Kader einer
Versicherungsgesellschaft
Kündigung u.a. wegen seiner Behinderung.
Start von Siegrists Karriere
als Musikus und Poet
eigenes "Blues-Lädeli"
in Ennetbaden,
wo er unter anderem auch für kranke und behinderte Menschen
Mundharmonika-Kurse anbietet - Info:
www.bluespower.ch
1997 gründete
Siegrist die weltweit erste E-mensch-ipationsbewegung
unter dem Namen „Swiss Peace Generation“
für mehr Menschlichkeit, Toleranz und Solidarität
neue Wirtschaftsformen
Förderung von Randgruppen in der Gesellschaft zu mehr Selbstverantwortung
CD mit einer Liveaufnahme aus der Vorlesung vom 7. Juni 2000 in Lenzburg
erhältlich bei:
Inhalt
(eine kleine Auswahl aus seinen
Gedichten
-
Copyright by Jeff Siegrist, Ennetbaden, 2000)
Trage Sorge zu deinem Herz
denn es verträgt nur schwer den Schmerz
den ihm andere zufügen
wenn sie lügen und betrügen
Und wenn du hast ein reines Herz
brauchst du keinen teuren Nerz
um zu zeigen, dass du wer bist
Tut dein Herz dir einmal weh
so denke an die gute Fee:
glücklich ist, wer vergisst
was doch nicht zu ändern ist
Bleibe stets herzlich
schau niemals zurück
denn vor dir steht bereits das Glück
Ein Mensch der dich umarmt
dich liebevoll küsst
oder dich ganz einfach nur grüsst
Und hast du mal Sorgen
und drückt dich der Schuh
so drücke auch mal beide Augen zu
Denn eines ist sicher und gewiss
nur der lebt lange der herzlich ist
darum trage Sorge zu deinem Herz
es verträgt nur schwer den Schmerz
Es hät emol eine gha Hunger
drum hät er gesse en Hummer
was isch wurde zum Chummer vom Hummer
Und hätti de mit em Hunger
nid gesse gha de Hummer
so wär´s nie cho zum Chummer vom Hummer
Drum söt mer vor em Esse
au dra denke was mer tuet esse
und die unter euch wo „hummeret“
denket au a die wo hungeret
Am Schluss got’s am Mensch
nid andersch wie am Hummer
got´s nämli um de Hunger
händ beidi au de Chummer
Mich hät mal eine gfragt
ob i glaube tät a Gott
und wenn ja, wiiso i das täti
ob i wär e Chrischt
oder gar en Atheischt
oder eine vo de Scientologe
Er hät uf mi inegschnorrt
dass i nüm bi cho z´Wort
schösch hät i´s ihm viil früehner chöne säge
Ja, i sigi zwar e Chrischt
aber meh de Siegerischt
und ganz sicher keine vo de Scientologe
I glaub as Guete i mir drin
dass jede Unsinn hät si Sinn
und dass mer a de Liebi nid darf schpare
und denktet all e chlii eso
wörd´s nie zu Chriege cho
und zu Grichtsverfahre
Ja, wäret all e chlii wien i
wär´s mit em chriege bald verbi
und d' Grichtsköschte chönntsch du dir au schpare
üeb di in Bescheideheit
säg au mol: Es tuet mir Leid
nur mit em Glaube a di selber darfsch nie schpare
Es hät eine nüm welle lebe
s Lebe sigi so dänebe
er chöni sich und d´Welt nüm verschtoh
d´Zyt sig ryf, er müess jetzt go
Da hät er sich es Messer gno
hät´s welle durch sich dure la
bis er gmerkt hät, das tuet ja weh
oh je, oh je, wie tuet das weh
Da hät er sich e Knarre a Grind äne ghebt
wo si Nachber erschrocke heebt:
"Halt, mach das nid, schösch bisch du tot
so tot, so tot, so mausetot!"
Jetzt hät er sich e Schtrick um de Hals umebunde
i de Meinig er heig e schtarchi Leitig gfunde
doch won er schpringt git´s en riise Chlapf
und schtatt tot isch er plötzli ganz nass
Wie hät die Wasserleitig nur chöne platze
ihm si Selbschtmord so verpatze
däbi isch er scho längscht am versuufe
weiss vor luuter Wasser nüm wie schnufe
Plötzli hanget er a sim Lebe
findet d´Idee völlig dänebe
ja, jetzt won er sis Lebe muess la
will er´s uf einisch wiider ha
Mer weiss halt erscht was mer gha hätti
wenn mer nüm schtoht uf em Taburettli
drum gnüsset s Lebe und sind froh
und machet´s nid so wie de wo sich hät s Lebe gno
Es hät emol e grosse Denker
vor luuter denke nüm gwüsst was denke
do hät er sich denkt
dass wenn er no meh würdi denke
das ihm´s Denke scho wiider täti schenke
Viillicht söti sich de grossi Denker
bi so viil denke uf´s weniger denke beschränke
oder sich´s Denke ganz eifach selber schenke
Und so wie a dem grosse Denker
got´s no mängem wo vor luuter denke
nüm weiss wo dure i sim Lebe ränke
Drum söt mer mängisch vor em denke
au ä chli a de grossi Denker denke
Was hät en Aff glich mit em Mensch
i bin sicher dass es kensch
´s tüend beidi für´s Lebe gern gaffe
Es git en Unfall uf de Schtrass
und scho isch de Tüfel los
ebe nume wege dene viile Gaffer
Es hät en Schwerverletzte ge
wo d´Polizei isch cho derther
zum d´Umleitig signalisiere
Jetzt isch d´Führwehr au no cho
zum d´Ambulanz dure lo
dämit si chan de Schwerverletzi berge
Doch wo´s zun ihm sind cho
sind s leider viil z´schpat cho
´s hät nüüt meh Lebigs ge zum berge
Dass eine muess sis Lebe la
isch wörkli nur sehr schwer z´verschtah
alles nume wegeme "Wald voll Affe"
Und trifft en Unfall einisch dich
lat di´s Glück hoffentli nid im Schtich
aber hoffentli die viile dumme Gaffer
Als Chind hät er e schlechti Gsellschaft gnosse
sin älteri Brüeder hät sich verschosse
de Vater hät im Suff d´Chind verschlage
und d´Mueter gno, ohni si z´frage
Im Bruef hät er kei Zuekunft gseh
i de Droge däfür viil meh
als Gsell schafft er nur hi und da
so wird er schnell zum "böse Ma"
Er wird zum Mörder und Kindlischänder
zum Attentäter und Verräter
mer muess d´Gsellschaft vor ihm schütze
der Allgemeinheit tuet er nüt meh nütze
Er fühlt sich verschtosse, ganz ällei
hät kei Fründe und keis dähei
im Gfängnis git´s nur chalte Brei
wiiso sind all nur so gemein?
Allgemein sind z´viil ällei
ganz allgemein sind all gemein
und d´Gsellschaft schafft was de Gsell au schafft
viil Schmerz und Leid mit Liideschaft
Was macht en Mensch zum Invalid
wer weiss scho gnau a was es liit
dass die Invalide so müend liide
Sind si scho so cho uf d´Welt
hät de Hund nid nume bellt
hät en Mine gno sin Fuess
oder isch es gar en Buess
dass die Invalide so müend liide
All die Frage zählet nüt
wichtig isch dass alli Lüüt
die invalide Mensche akzeptieret
wil "invalid" heisst übersetzt
ungültig und nüt meh wert
und das chan i eso nid toleriere
Villicht isch morn nid grad min Tag
und ich chome under s Tram
villicht verlür i däbi es Bei
villicht sogar grad zwei
wirde selber zume Invalide
Denn tröscht
i mi dass i no leb
jetzt erscht recht am Lebe chleb
und dass i glich no öpis wert bin
am Schluss sind die wo händ en Grind
aber leider mit nüt drin
die einzig wahre Invalide
Jeder sucht nach seinem "Ich"
doch in der Sucht findst du es nicht
du kannst es suchen, es versuchen
du kannst auch nach ihm fluchen
Doch flüchte dich nie in eine Sucht
sonst wird sie schnell zur Eifersucht
und wer mit grossem Eifer sucht
fällt rasch in eine tiefe Schlucht
Die dich verschluckt, dich dann verspeist
bis dass du plötzlich nichts mehr weisst
dann fängt die Suche von vorne an
bis du bist ein alter Mann
Und alte Männer sterben arm
nur wegen diesem "Wer-bin-ich-Drang"
suche nicht nach deinem "Ich"
schau auf den Boden, dann siehst du dich
Und Füsse sind zum Gehen da
junger Mensch, was stehst du noch da
und hast du dann dein Glück gefunden
so hast du auch dein "Ich" gefunden
Es hätti keine es Problem
würd er´s gseh als Proemblem
i säg eu was i dämit meine:
Jede hät Persönlichkeit
nur nid jede isch bereit
die überall und allne offe z´zeige
Es isch nid jede lut wien i
es git au därig wo sind schüch
und ihri Gfühl vor andere wänd schütze
Denket meh as Proemblem
so händ ihr weniger Problem
i säge eu grad was´s eu chönti nütze:
Jede würd es Zeiche si
meh gradschtoh zu sim "I"
sich nüm länger vor sich verschtecke
Schtändi jede meh zu sich
würd die and´re neh wie sich
würdet sich d' Problem selber versetze
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